Das Geheimnis der Wüstenrose IV. DIE FLUCHT IN DIE GEISTERWÜSTE Bei der Feldarbeit freundete sie sich mit Christian an, einem 14jährigen Jungen aus der Pikardie. Sie verabredeten, zu fliehen, und eines Nachts entwichen sie vom Hof und liefen in Richtung Osten, so weit sie konnten. Eine Nacht und einen ganzen Tag liefen sie ohne Rast, in der zweiten Nacht gelangten sie in die große Wüste. Hier ruhten sie am Fuße von ein paar großen Felsen aus. Ihre kärglichen Vorräte waren zur Neige gegangen, und Wasser war nur noch ein Schluck im Tonkrug.
Die Nacht war dunkel, noch war kein Mond zu sehen, nur das Strahlen unzähliger Sterne füllte den Himmelsraum über ihnen aus. Noch nie hatten sie einen so nahen und herrlichen Himmel gesehen. Doch hatten sie zuviel Angst, um darauf zu achten. Seit der Dämmerung waren überall pfeifende und klingende Laute zu hören. Es waren die unzähligen Sandkörner, welche sich bei Nacht abkühlten und Geräusche erzeugten. Das war der Grund, warum man den Ort die Geisterwüste nannten, dieser Teil der Wüste wurde von allen gemieden. Nie würde ein frommer Muslim hier entlang reiten. Die beiden Fremdlinge wussten in ihrer Angst dies nicht. Sie ahnten nicht, daß genau dieser gespenstische Gesang sie vor den berittenen Verfolgern, die ihnen nachjagten, beschützte.
Sie saßen und hielten sich eng umschlungen, denn die Nacht war kalt. Der Modn war inzwischen aufgegangen, doch was sie nun sahen, beruhigte sie nicht: Felsen und Geröll, vereinzelt ein paar dürre Bäume. Schlafen konnten sie nicht.
Es war wohl Mitternacht vorbei, da wurde das Klingen um sie herum leiser. Sie sahen über den Felsen ein fernes Leuchten, welches näher kam. Als das Licht bei ihnen angelangt war, erblickten sie eine wunderschöne Frau, welche fremdländisch gekleidet und kostbar geschmückt war. Unter ihren Schritten sprossen Blüten auf im Wüstensand, und die Kälte der Nacht verging.Christian fiel auf die Knie, faltete die Hände und rief: "Die Heilige Jungfrau! Rette uns, Notre Dame des Merveilles!" Juliette stand aufrecht und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie dachte nur: "Wie schön die fremde Dame ist." Die fremde Frau lächelte und sprach: „Ich bin die Fee Peribanu, hier in den Felsen wohne ich im verborgenen Schloss. Was sucht ihr in meinem Land?“
Zur Verwunderung der beiden sprach sie eine leidlich verständliche Sprache mit vielen französischen Wörtern darin. Die Flüchtlinge konnten nicht wissen, daß im Morgenland seit dem zweiten Kreuzzug eine neue Sprache entstanden war, die lingua franca. Mit ihr konnten sich Muslime und Christen verständigen.
zum Anfang dieser Seite zur Inhaltsübersicht aktualisiert am 04.08.02