Das Geheimnis der Wüstenrose III. DIE ANKUNFT IM MORGENLAND Und vom Wasser des Jordans, welches alle Krankheiten und Gebrechen heilte. Wenn sie doch nur ein wenig davon hier auf dem Schiff hätten, damit die Seekrankheit verginge!
Juliette hatte sich fest vorgenommen, ein ganzes Fläschchen voll davon als Vorrat nach Hause mitzunehmen. Jetzt war sie blühend und gesund, doch man wusste nie, was später kommen würde...
So träumte sie vor sich hin, gegen die kühle Nässe in ein paar Lumpen gewickelt, in einem Winkel des Schiffes, während immer wieder schwere Wellen von außen gegen das Holz schlugen und das Schiff mit ächzendem Holzwerk auf und nieder fuhr.Als endlich von oben der Ruf ertönte: "Land in Sicht!", waren alle sehr froh. Die Schiffe landeten an einem verlassenen Felsenhafen; es war öde hier, heiß und sehr still. So hatten sie sich das gelobte Land nicht vorgestellt. Dennoch gingen die Kinder vertrauensvoll von Bord. Die Schiffe hissten rasch ihre Segel und fuhren ab. Die Tausende standen mit ihren Kreuzesfahnen allein und verlassen; als sie zögernd in Richtung des Landesinneren zogen, nahten sich von allen Seiten bis an die Zähne bewaffnete Reiter.
Der Kinderkreuzzug war in diesem Moment bereits vorbei; sie waren verraten und verkauft worden. Man fing sie ein, fesselte sie und trieb sie zu den Sklavenmärkten von Alexandria und Tanger, wo daraufhin wochenlang Hochbetrieb herrschte.Juliette geriet mit einem Dutzend anderer Leidensgefährten an einen recht menschenfreundlichen Käufer. Sein Gutshof war in der Nähe von Tanger und die Neuankömmlinge wurden zur Feldarbeit eingeteilt.. Muslimische Sklaven wurden in jener Zeit oft besser behandelt als die leibeigenen Bauern zuhause.
Doch kein Sklave ist je glücklich; und Julie war ganz besonders unglücklich. Eine schier unerträgliche Sehnsucht nach zuhause brannte in ihr. Das Grün der Felder, ja sogar der frostige Raureif der Wintertage erschienen ihr nun wie eine verlorene Kostbarkeit. Gleichzeitig war die Sehnsucht nach Jerusalem nicht erloschen in ihr, so daß sie sich hin und her gerissen fühlte.
zum Anfang dieser Seite zur Inhaltsübersicht aktualisiert am 04.08.02