Das Geheimnis der Wüstenrose II. DER WEG ZUM MITTELMEER
Der Weg, anfangs voll Verheißung und Gesang, wurde nach einigen Tagen der Wanderung schrecklich mühsam. Die Jugendlichen mussten bei jedem Ort um Nahrung betteln und oft genug jagte man sie grob davon. Sie durchzogen das Rhonetal, sie lagerten in den Nächten frierend um die Feuer. Nur die Hoffnung hielt sie aufrecht.
Endlich erblickten sie Marseille; verzweifelt und hungrig lagerten sie zwei Tage vor den Toren. Endlich kamen zwei freundliche Männer und boten ihnen eine kostenlose Überfahrt an. Die eben noch Verzweifelten konnten es kaum fassen. Das war das erste der erhofften Wunder, welches ihnen den Weg nach Jerusalem bahnen würde! Nun waren sie sicher, daß weitere Zeichen und Wunder folgen würden.
Einige Schiffe waren frei geräumt worden für die vielen Pilger und Pilgerinnen und die müden und erschöpften Gestalten taumelten an Deck. Das Singen war ihnen vergangen. Kaum waren alle an Bord, legten die Schiffe hastig ab und es ging mehrere Tage lang über raue See, wobei viele Teilnehmer der Fahrt seekrank waren.
Aber immer wieder unterhielten sie sich leise und erzählten sich die Wunder des Landes der Verheißung, von den nach Gold grabenden Ameisen, welche so groß wie Menschen werden, vom Vogel Greif und vom Magnetberg, von den Langohren welche sich nachts in ihre Ohren einwickeln können, von jenem Tal, in welchem lauter Diamanten liegen, von den vielen, vielen Wundern des Orients.
Und vor allem von der heiligen Stadt Jerusalem. Hier war Gott Mensch geworden; wer diese Stätten seines Wirkens besuchte, dem wurden alle Sünden - sogar die, welche er künftig tun würde - vergeben. Wer hier zum Sterben kam, kam sicher direkt in den Himmel, zur ewigen Seligkeit.
zum Anfang dieser Seite zur Inhaltsübersicht aktualisiert am 14.12.01