Das Gauklermädchen

Eine Geschichte für große und kleine Kinder,
nach einer alten Legende neu erzählt.....



 
 
 
- Zu der Zeit, in der unser Gauklermädchen lebte, gingen Menschen, die so ganz allein auf der Welt waren, oft in ein Kloster. Also hörte es mit dem Herumwandern auf, gab seine geringen Ersparnisse dem Kloster von Clairvaux als Spende und trat in das Klosterleben dort ein. 

Aber das Leben der Klosterschwestern war ihm fremd, und es wußte weder ein Gebet zu sprechen noch ein Kirchenlied zu singen. Es konnte ja nur das Lied vom Murmeltier!

So ging sie stumm umher, und wenn sie sah, wie alle so schöne Gebete aufsagen konnten, aus frommen Büchern lasen und mit im Chor die Messe sangen, stand sie beschämt dabei: Ach, sie allein, sie konnte nichts. "Was tu ich hier? sprach sie zu sich, "ich weiß nichts von dem was die anderen wissen, und kann kein Gebet an Gott richten. Ich bin das heilige Gewand nicht wert, das man mir so feierlich angezogen hat."

In ihrer Traurigkeit ging sie jeden Tag allein im Park spazieren. Oft dachte sie an ihr Tanzen und Spielenund an ihren kleinen Gefährten, aber sie wußte, daß die alten Zeiten nie zurückkommen. Da entdeckte sie eines Tages am Rand des großen Parks ein abgelegenes, geheimnisvolles Bauwerk: Es war eine alte, verlassene Kapelle. 

Im Altarraum stand eine Maria mit dem kleinen Jesuskind auf dem Arm. Da setzte sie sich auf eine Bank und erzählte der Maria und dem kleinen Kind von ihrem Kummer.

Und als die Glocke abends zum Chorgebet rief, ging sie nicht zu der Andacht zurück. Nein sie hatte eine andere Idee: "Wenn ich schon nicht mitbeten kann mit den frommen Schwestern", sagte sie zur Mutter Maria mit dem Kind, "so will ich doch für euch etwas tun, was ich kann." Rasch streifte sie das Nonnengewand ab und stand da in ihrem bunten Röckchen, in dem sie als Gauklermädchen umhergezogen war. "Sei bitte nicht böse, liebe Maria, aber ich tue es ja für dein Kind! "

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aktualisiert am 13.10.01

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