Der Weg in den Zauberwald (IV)
Wie Gabriele und Sven bei den Kobolden dienen sollen
und wie der wilde Jäger und die Windsbraut dies vereiteln.
„Genug jetzt!“ brüllte der große Kobold. Murrend gehorchten die kleinen Kobolde und hörten auf ihre drei Opfer herumzuschubsen. „Nein, das war natürlich nur ein Spaß!“ beruhigte sie der Anführer. “Wir machen immer solche kleinen Scherze mit unseren neuen Rekruten.“ Sven glaubte sich verhört zu haben. „Rekruten?“ Der Oberkobold nickt gönnerhaft. “Tja, ihr dient jetzt als Freiwillige in unserer ruhmreichen Koboldarmee." Er drehte die Augen feierlich nach oben und rief laut: "Plündern, kämpfen, raufen! Fressen, pennen, saufen!"Natürlich stimmte sofort die ganze abgerissene Bande mit ein und die Koboldarmee johlte begeistert. "Plündern, kämpfen, raufen! Fressen, pennen, saufen!"
"Ruhe jetzt!" brüllte der große Kobold. "ihr habt es gehört. Das ist unser ehrenvoller Wahlspruch. Du, Bursche gibst einen brauchbaren Rekruten ab, das Mädchen kommt mit als Köchin. Ehrlich gesagt, unsere Koboldsuppe hängt uns schon lange zum Hals heraus. Vielleicht kriegst du das besser hin. Ab sofort habt ihr Ausgehverbot und werdet neu eingekleidet. Morgen beginnt die Grundausbildung. Abtreten!“
„Nein das dürft ihr nicht!“ rief das Mädchen. “Der Sven ist mein Freund und er darf nicht für euch Soldat werden.“
„Haha, und was willst ausgerechnet du dagegen machen?,“ lachte der Oberkobold. Aber Gabriele wurde jetzt richtig zornig und rief: „Passt auf, daß ihr keinen Besuch von oben kriegt, ihr habt ein bisschen zu laut gegrölt eben! Denn wir sind nicht die einzigen Wesen hier im Wald. Ich sehe droben in den Wolken noch jemand anderes, der sich sehr für eure Lumpenarmee interessiert!"
„Wo? Wo? Wo? Wir sehen nichts...“ murmelten die kleineren Kobolde und rissen ihre Augen auf, bis sie fast so groß wie Tennisbälle waren. Aber der große Kobold sprang alarmiert auf und rief: “Passt auf, sie hat die Sicht .., sie meint den wilden Jäger!“
Doch seine Worte gingen bereits unter in einem Pfeifen und Sausen, das sich mit überraschender Schnelligkeit steigerte und zu einem wilden Orkangeheul anwuchs. Äste krachten auf die Lichtung zwischen die Zelte, glühende Kohlen flogen aus den Kochfeuern zwischen die Kobolde, die entsetzt in alle Richtungen davon rannten.
„Alarm, Luftangriff!“ schrie der Oberkobold, so laut er konnte: „Haltet die Reihen dicht geschlossen und zurrt die Zelte fest! Passt auf die Gefangenen auf!“Der Sturmwind war nun direkt über ihnen. Über den dunklen Wolken, die nur ab und zu von einem jähen Blitz erhellt wurden, war im Sturmesbrausen ein helles Wiehern zu hören. Dann jagten wirbelnde Schemen über die Lichtung. Der gespenstische Jäger und seine Windsbraut! Überall zugleich stampften geisterhafte Rosse, flogen Zelte davon. Die jämmerlichen Hütten knickten zusammen und die Dächer rutschten zu Boden.
Die ruhmreiche Koboldarmee löste sich augenblicklich auf, schneller als man "Ruckzuck" sagen kann. Aus Felsenhöhlen und unter Wurzeln lugten hier und da noch ängstliche Koboldaugen heraus, unterm Farnkraut zappelten noch ein paar ungewaschene Beine auf der Suche nach einem Versteck. Ein paar verlorene Krawatten kennzeichneten den Weg, auf dem der zerzauste Oberkobold als Allererster geflüchtet war.
Die beiden Menschenkinder mitsamt dem Kater Fridolin, der sich in Svens Jacke verkrochen hatte, waren mitten im Sturmeswüten unversehrt geblieben. Sie eilten zurück zum Weg, wo die alten Steinplatten lagen. Es schien, als würden sie nun stärker leuchten als zuvor. Rasch liefen sie den Weg weiter und hüteten sich von jetzt an ängstlich, von ihm abzukommen. weiter
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