Der Weg in den Zauberwald (II)
Wie die Freunde vom rechten Weg abkommen
und von den Kobolden gefangen werden

Kaum  hatten  sie den Plattenweg  verlassen,  da  stürzten  sich kleine dunkle Gestalten von allen Seiten auf sie und packten sie und  schleppten  sie  zu einer  Waldlichtung.  Dort  stand  eine größere Zahl von schlampigen Zelten und Hütten.  In  Kochkesseln brodelte undefinierbares Zeug; es roch nicht sehr einladend. Die an sich recht hübschen Koboldfrauen,  die aber unglaublich  verwahrlost  aussahen,  rührten mit abgebrochenen Ästen lustlos  in den  großen  Töpfen herum und  johlten,  begeistert  über  diese Unterbrechung ihrer den Pflichten, hinter den Gefangenen her.
Eine heisere Stimme sorgte sofort für Ruhe.  Ein großer  älterer Kobold,  der mehrere Krawatten als Abzeichen seiner Würde um den Hals geschlungen hatte, winkte die Gruppe zu sich her.  „Bringt die Gefangenen zum Verhör!“ Grob wurden die beiden  nach vorn gestoßen.  Der Kobold begann das Verhör, ohne sie auch nur zu Wort kommen zu lassen: „Wer seid ihr? Wie heißt ihr? Was wollt ihr hier? Wo kommt ihr her? Seid ihr etwa Elfenspione?“ Die Gefangenen schwiegen nur,  doch Fridolin  rief empört:  “U Sau!“ -  Einen Moment lang war alles still. -  “Was sagt  er?“, fragte der große Kobold und beugte sich interessiert  vor.  “Er, äh,  ist nicht einverstanden mit Eurer Art,  Gäste zu begrüßen... ", begann Gabriele vorsichtig, doch der Kater unterbrach und rief „S au! Ss  au!“  Der große Kobold verstand und wurde zornig.

Er  rief barsch: „Kobolde....Macht für die Zwei die Zangen glühend! Fesselt sie und werft das Viech gleich in die  Koboldsuppe!“  „Au  wau!“ fauchte  der  Kater entsetzt  und  Sven und Gabriele fassten sich  erschreckt  bei  den Händen.
Die  Kobolde  lachten hämisch und bildeten einen  Kreis  um  die verschreckten  drei  Freunde,  fassten  sich an  den  Händen  und begannen - nach links drehend  - einen unheimlichen Tanz,  wobei  sie offenbar aus dem Stegreif folgende Knittelverse sangen:
.
1. Schnappt sie und packt sie!
Zwickt sie und zwackt sie!
Greift euch das Menschenpack, 
stopft sie in den Kartoffelsack!
Schmeißt sie erst ins Kerkerloch,
dann bringt sie zum Oberkoch.

2. Dort pufft sie und quält sie, 
wascht sie und schält sie!
Haut sie auf die Kruppe!
Schmeisst sie in die Suppe 
und bratet sie im Fett
das schmeckt besonders nett.

3. Die Ohren Schnippschnapp,
dann den ganzen Kopf ab!
Mit Gurken garniert sie,
in Öl fritiert sie! 
Tunkt sie in die Soße,
bis fertig die Chose!

4. Ärgert sie und beißt sie, 
verlacht sie und bescheißt sie!
Fesselt sie von Kopf bis Fuß,
schwärzt sie ein mit Dreck und Ruß!
Nehmt dann noch ihr Katzenvieh
und legt es euch übers Knie!

Und dann fingen sie das Ganze von vorne an: "Schnappt sie und packt sie! Zwickt sie und zwackt sie..!" - So schmetterten sie das Lied, wenn man das Gegröle als solches bezeichnen will, mehrmals lauthals mit wachsender Begeisterung. Kleinere Kobolde brüllten jeden Vers, der ihnen gefiel, noch ein zweites Mal, sodaß eine bizarre Art von Kanon entstand. Alle "Künstler" untermalten dies schaurige Machwerk noch mit Bewegungen und Gebärden, was sie mit den armen Gefangenen anstellen würden, wenn sie ihre Worte anschließend in die Tat umsetzen würden.   weiter


zum Anfang dieser Seite

zur Startseite

zur Inhaltsübersicht

HOME TUJA HELLER

Text- und Bildnachweise

Copyright