DER BLAUE VOGEL
Teil I: 
Das Glück im Waldhaus
Der Weg in den Zauberwald, Märchen
und Jeux -Stücke




 

Vor vielen, vielen Jahren lebte nahe an einem dichten, düsteren Wald eine Frau mit ihren beiden Töchtern; von denen war die Jüngere gut und fromm. Die Ältere war schön von Angesicht, aber hässlich von Herzen.

Eines Tages gab die Mutter der älteren Tochter einen Korb, damit sie Pilze sammle. Das Mädchen aber fürchtete sich in dem unheimlichen Wald. Es blieb dem Weg ganz nah und setzte sich bald, um den guten Kuchen zu essen, den die Mutter ihm mitgegeben hatte. Als es fast fertig war, flog ein schöner blauer Vogel herbei und fing an, die vorbeigefallenen Bröcklein aufzupicken. Da hob das Mädchen einen Stein auf und schrie: “Mach, dass du wegkommst, warte nur, ich treffe dich noch.“ Da flog das Vöglein entsetzt davon.
Sie aber legte sich hin und schlief bis zum Abend. Dann nahm sie den Korb, ging schnell nach Hause und sagte: „Pilze gibt es noch nicht.“ Wenige Tage danach sagte die Mutter zur jüngeren Tochter: „Heute holst du einmal Pilze, aber komme mir nur nicht eher zurück, als bis der ganze Korb bis zum Rand gefüllt ist.“ Das jüngere Mädchen ging tief in den Wald hinein und suchte und suchte. Aber als es Mittag wurde, war noch nicht einmal der Boden des Korbes bedeckt. Da holte es das trockene Brot, das ihm die Mutter eingepackt hatte, heraus und fing an zu essen.  Sogleich flog der blaue Vogel herbei und pickte die Bröcklein auf. Als die Gute das sah, sage sie: “Wie schön, da? du mir in diesem düsteren Wald Gesellschaft leistest.“ Da schwang sich das Vöglein auf einen Baum und sang ein Lied, so schön, so wunderschön, da? ihr wohl und weh zugleich ums Herz wurde.
Als es Abend wurde und die Sonne unterging, wollte sie heimkehren, aber sie fand den Weg nicht zurück.  Da hörte sie in der Ferne den Gesang des blauen Vogels. Sie ging dem Lied nach und gelangte immer tiefer und tiefer in den Wald hinein.

Endlich kam sie zu einem schmucken kleinen Haus. Auf dem Küchenherd brutzelte ein leckeres Essen, im Zimmer war der Tisch weiß gedeckt. Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Durch ein kleines Loch im Fenster schlüpfte der blaue Vogel herein. Kaum war er im Zimmer, verwandelte er sich in einen schönen jungen Mann. Er war nämlich ein verwunschener Königsohn, der am Tage ein blauer Vogel sein musste. In der Nacht aber hatte er seine natürliche Gestalt. Er erkannte sie und sagte: “Setz dich nur und iss mit mir. Du hast dein Brot ja auch mit mir geteilt. Bei mir kocht und backt alles von selbst.“ Da wurde der Tisch von unsichtbaren Händen gedeckt und sie aßen und waren fröhlich miteinander. „Wenn du drei Jahre im Wald bei mir bleibst und mit keinem Menschen sprichst, kannst du mich erlösen“, sagte er ihr am nächsten Morgen. Und da sie eine tiefe Zuneigung zu ihm verspürte, blieb sie bei ihm.

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aktualisiert am 24.04.02

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