Das Geheimnis der Wüstenrose
IX.  DIE  ÜBERFAHRT  ZURÜCK  INS ABENDLAND

Tief beeindruckt verließen sie den Alten, der ihnen seinen Segen mitgab. Was sollten sie nun tun? Aber inzwischen wussten sie, daß alles was in der Welt geschieht, sich nach einem geheimnisvollen Plan fügt. Zwei Tage später stießen sie am Stadtrand auf eine Gruppe von fröhlichen Reisenden mit Pferden und Wagen und vielen Kindern. Sie waren braunhäutig, dunkelhaarig und trugen bunte, schöne Kleider. Und natürlich sprachen sie die Lingua Franca, allerdings nur sehr lückenhaft. Christian und Juliette, die sich inzwischen in ihrer neuen Heimat gut zurechtfanden, sprachen die Lingua viel besser. Sie erfuhren, daß die Fremden aus Indien gekommen waren und bald weiterziehen wollten.

„Wir fahren nach Westen“ erzählten sie den beiden bereitwillig. „in das geheimnisvolle Abendland. In unserer Heimat erzählt man, daß es dort wundersame Dinge gibt, wie den geheimnisvollen Vogel Greif und jene Menschen mit Ohren, die so lang sind, daß sie sich darin einwickeln können."
Juliette wäre fast geplatzt vor Lachen, sie konnte sich gerade noch beherrschen; aber Christian sagte mit ganz ernsthafter Stimme. „Da habt ihr recht getan, wenn ihr zu solchen Wundern aufgebrochen seid. Wir stammen aus diesem Abendland und können euch dorthin führen, wo ihr das alles sehen werdet, auch die goldgrabenden Ameisen, wenn ihr uns auf eurer Fahrt  mitnehmt.“ Und sogleich wurde es per Handschlag besiegelt.

Am Tag darauf brach die Gruppe auf, Christian und Julie waren bei ihnen. Als ein paar Tage später am Bosporus Wagen, Menschen und Pferde in schaukelnden Booten übergesetzt wurden, musste Juliette plötzlich lachen und rief „Das Jordanwasser haben wir vergessen!“
Ihr Freund schaute sie fragend an und Juliette erklärte: „Weißt du, dasjenige Mittel, das gegen alle Krankheiten und Gebrechen hilft. Ich wollte unbedingt eine Flasche mitnehmen, für den Fall, wenn ich einmal alt und krank werden sollte.“ Doch bekam sie einen nachdenklichen Ausdruck im Gesicht; sie lächelte und sagte: "Lass nur, das brauchen wir jetzt nicht mehr."
 


Und dann fragte sie - niemanden direkt, nur so  "Sag, haben wir das alles nur geträumt? Von der Fee Peribanu und dem Dschinn, vom Rabbi Elieser und der Rose?" Rasch griff sie in ihr Bündel und berührte ihren Schatz, die größte Kostbarkeit, eine kleine trockene Kugel, graugrün und unansehnlich. Und sie wußte, für sie und ihren Freund würde das Leben daraus erblühen, getränkt von dem Wasser des Lebens, von Freude und Leid.

ENDE


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aktualisiert am 04.08.02

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