Der Weg in den Zauberwald (I)
Wie das Weihnachtskind Gabriele mit Sven Geburtstag feiert
und wie sie im Keller eine Tür finden, welche erstmals offen ist.

Es war einmal eine Geburtstagsfeier, die fiel gerade auf den 24.  Dezember; denn das Mädchen, das hier sein  Fest feierte, war ein Weihnachtskind mit all den geheimnisvollen Gaben, die diesen Kindern nachgesagt werden. Gabriele war zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt geworden und die Eltern erlaubten ihr ein großes Geburtstagsfest. Unter den vielen Gästen kam auch ihr Mitschüler Sven, kaum drei Monate älter und sehr von ihr angetan, doch viel zu schüchtern, ihr das zu zeigen.
Einige Stunden verbrachten sie mit Spielen und dem Knabbern von Weihnachtsplätzchen; dann begann Gabriele sich zu langweilen. Nach und nach verzogen sich die Gäste, nur Sven, der entschlossen war, ihr heute möglichst lang Gesellschaft zu leisten, blieb, ebenso eine Runde von Freunden, die mit Gabis großer Schwester „Mensch  Ärgere  dich  nicht“ spielten.  Aus der Langeweile wurde eine richtig schlechte Laune, als die Schwester sagte, sie solle doch aus dem Keller noch etwas zu trinken holen für die Gäste. Wieso Gabriele? Und das an ihrem Geburtstag! Hilfsbereit bot Sven an, beim Tragen zu helfen. „Gut, sagte Gabriele, dann ziehen wir uns gleich an für einen Spaziergang. Wir holen die Flaschen aus dem Keller  und gehen dann eine Runde an die frische Luft.“ Keiner antwortete ihnen; alle waren ins Spiel vertieft.
Die beiden zogen sich warm an und nahmen eine Taschenlampe, denn im Keller war es recht dunkel.
Sie stiegen die Treppe zum Keller hinab und kamen in die hohen Steingewölbe des alten Hauses. Sven schnupperte: „Komisch es riecht so, als wäre hier unten eine Weihnachtskerze angezündet gewesen..“ Gabriele schüttelte den Kopf: „Nein, das sind bestimmt die Christstollen: Meine Mutter kauft immer mehrere und legt sie hier unten rein auf Vorrat.“ Sie gingen den Kellergang entlang, rechts waren zwei Räume mit Lebensmitteln und Getränken, links lagerten Holzreste und Gerümpel. Der Keller war nicht groß. Da vor ihnen befand sich noch eine Türe aus starken Brettern. "Wo geht es denn da hin?" fragte Sven. „Ich weiß nicht“,  sagte das Mädchen, immer noch schlechtgelaunt; „das ist wohl der Heizungskeller. Sie ist immer zu.“ Sven drückte auf die Klinke, bemerkte, daß sie nachgab und rief : „Schau dir das einmal an; sie ist ja offen!“
Was war das? Seine  Begleiterin wurde nun  auch  neugierig. Sie blickten in einen kleinen,  gemütlichen Raum, an dessen anderem Ende sich eine weitere, schmale Pforte befand.  Auf dem Tisch in  der  Mitte stand ein Leuchter mit  sieben Armen,  in denen weiße Kerzen brannten. Hinter  den Kerzen sahen sie eine Gestalt in einen hohen  Sessel gelehnt sitzen,  gekleidet in eine einfache,  grobe Kleidung mit einer  Kapuze.  Sie hatte den Kopf mit der Kapuze  verhüllt  und schlief  zurückgelehnt.  Ab und zu atmete sie tief und  murmelte etwas.  Die beiden blieben wie angewurzelt stehen.  Doch das Wesen schien sie  nicht zu hören, als die beiden leise durch den Raum liefen und zum gegenüber liegenden Ausgang hinaus eilten. Als  Gabriele die altertümliche Tür hinter sich zuzog,  murmelte  sie:  “Der Domovoi“  Sven fragte überrascht und fast etwas  zu  laut:  “Der was?“
„Der Hausgeist,“ sagte Gabriele atemlos. „Großmutter hat mir von ihm erzählt. Ich habe nicht geglaubt, dass es ihn gibt." -  Hinter dem Ausgang befand sich eine schmale Treppe,  auf der sie rasch hinauf schlichen. Nun waren sie wieder im Erdgeschoss. Aber das sah hier, auf der anderen Seite, völlig anders aus. Der Flur, den sie im Schein ihrer Taschenlampe erblickten, lag still vor ihnen. Durch das kleine Guckfenster der breiten, alten Eingangstür sahen sie ein Stück vom Nachthimmel. Wohin führte diese Türe? Ob sie wohl offen war?  -  Die  alte Tür knarrte  furchtbar,  als  sie langsam aufmachten.  Unten klapperte etwas, schlurfende Schritte waren zu hören.  Erschrocken stießen die beiden den Türflügel ganz auf und liefen hinaus.   weiter


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