Der Weg in den Zauberwald
Märchen und Jeux -Stücke zu den Jahresfesten
Die Sprache der Tiere
und:
was können wir von ihnen lernen? "Heutzutage verkünden die wachsenden Bevölkerungsziffern und die technologische Macht des Menschen zur Umweltvergiftung eine einzige dringende Notwendigkeit: die für seine eigene Sicherheit erforderliche Notwendigkeit, in vollem Bewußtsein jene alte Welt wieder zu betreten und zu bewahren, aus der er ursprünglich gekommen ist. Er muß jetzt ...eine ethische Verbindung nicht nur zu seinen Mitmenschen, sondern auch zu der lebenden Welt rings um ihn her schaffen." Loren Eiseley, AnthropologeLoren Eiseley fordert in seinem Essay eine Rückkehr zu den einfachen Dingen, besonders aber zu unserer eigentlichen Heimat, dem Wald. Die Entfremdung von unserem ursprünglichen Lebensraum hat uns zu Heimatlosen und Entwurzelten werden lassen.
Die Sprache der Tiere könnte uns helfen, zu dieser Urheimat zurückzufinden. Das verlorene Paradies ist dem Menschen durch seine Blindheit, Taubheit und Herzensverhärtung nicht mehr wahrnehmbar.
Die Tiere sind jedoch treue Freunde des Menschen seit Anbeginn der Schöpfung. Sie sind immer wieder bereit, auf ihn zuzugehen und trotz aller Belastungen der Vergangenheit und Gegenwart neu zu beginnen. Dies trifft aber nur dann zu, wenn der Mensch ein offenes Wesen hat, das dem Tier diese Kontaktaufnahme ermöglicht.
Oft ist es eine dankbare Schlange als Vertreterin der alten Weisheit, welche dem Helden eines Märchens die Tiersprache beibringt oder auch nur ihm die Ohren frei leckt, damit er verstehen lernt. Das Bild macht deutlich, daß es um eine andere Dimension der Wahrnehmung geht. Es ist ein inneres Hören, ein Sprechen ohne Worte, ein anderes Sehen, eine Kenntnis, die dem Menschen abhanden kam, die er jedoch jederzeit zurückgewinnen kann, wenn er sich auf den Weg zur Urheimat macht. Sowie er in den Wald eintaucht, sowie er die lebendige Stille dort vernimmt wird er auch wieder jenen ursprünglichen Freunden und Begleitern begegnen, den Tieren und Pflanzen, Steinen und Quellen. Das Bibelwort vom "Ohren haben und doch nicht Hören" fällt uns hier ein oder St.Exuperys Wort "Man sieht nur mit dem Herzen gut".In England gab es früher eine kleine Gruppe von Menschen, zumeist Kutscher oder Reiter, die man die "Horsewhisperer", Pferdeflüsterer, nannte. Sie hatten eine erstaunliche Gabe, mit schwierigen oder falsch dressierten Tieren umzugehen, sie zu besänftigen und zu heilen. Der Begriff "Pferdeflüsterer" ist in den letzten Jahren für ein paar Bestseller und Filme brauchbar gewesen. Wenn nur ein paar Menschen dadurch etwas gelernt haben sollten, dann ist es gut, daß das Thema vermarktet und bekannt gemacht wurde. Aber im Grunde braucht es keinen Hollywoodhelden oder schicken Reitlehrer, um die Sprache der Tiere zu erlernen, sondern es bedarf nur des Hörens nach Innen, des Umgangs mit den einfachen Dingen und einer schlichten Lebensführung in naher Berührung mit der Natur. Dann sprechen die Tiere eines Tages wieder zu uns: "Sei gegrüßt, mein Freund, wo bist du so lang gewesen?"
Mehr zum Thema "Die Sprache der Tiere" erfahren Sie unter dem Märchen- Stichwort 670 beim maerchenlexikon.de
[670 Märchentyp AT: 670; cf. 517, 671 Grimm KHM]
Hier finden Sie auch die Literaturangeben zum Thema, von denen ich hier eine Auswahl zitiere:
Aarne, A.: Der tiersprachenkundige Mann und seine neugierige Frau. Hamina 1914.
Aarne, A.: Zum Märchen von der Tiersprache. In: Zeitschrift für Volkskunde 19, 1909, p. 298-303.
Derungs, K.: Struktur des Zaubermärchens I. Bern, Stuttgart, Wien 1994.
Hellbusch, S. u.a.: Tier und Totem. Naturverbundenheit in archaischen Kulturen. Bern 1998.
Littmann, E.: Die Geschichte von der Schlangenkönigin und Hasib Karim ed-Din. In: Die Erzählungen aus den 1001 Nächten. Wiesbaden 1953.
zum Anfang dieser Seite zur Inhaltsübersicht aktualisiert am 13.05.02